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Giftig, heilig oder magisch? Die erstaunliche Geschichte der Menstruation

Menstruationsblut, das Wein sauer macht und Metall rosten lässt – und gleichzeitig Liebeszauber wirkt. Ein Blick auf das, was Menschen über den weiblichen Zyklus glaubten.

Von Catrin Boisson·7 Min. Lesezeit
Foto: Unsplash · Symbolbild

Menstruationsblut lässt Wein sauer werden, bringt Pflanzen zum Welken und Metall zum Rosten. Klingt absurd? Über Jahrhunderte glaubten Menschen genau das. Die Geschichte der Menstruation ist voller Widersprüche – und zeigt, wie lange Frauen mit echtem Körperwissen alleingelassen wurden.

Die Menstruation als Reinigung

Schon in der Antike versuchten Gelehrte zu erklären, warum Frauen menstruieren. Pythagoras sah die Periode als Ausscheidung überschüssiger Nährstoffe. Hippokrates war überzeugt, Frauen müssten regelmäßig überschüssige Körpersäfte abgeben, um gesund zu bleiben. Aristoteles betrachtete den männlichen Körper als Norm – die Frau als die Abweichung davon.

Diese Vorstellung hielt sich über viele Jahrhunderte: Die Menstruation reinigt den weiblichen Körper. Was heute wissenschaftlich widerlegt ist, galt damals als medizinische Wahrheit.

Gift und Magie zugleich

Der römische Gelehrte Plinius der Ältere war überzeugt, Menstruationsblut entfalte gefährliche Wirkungen. Kontakt mit menstruierendem Blut lasse Wein gerinnen, Felder veröden, Tiere erkranken. Diese Vorstellung hielt sich so hartnäckig, dass noch bis ins 20. Jahrhundert manche Wissenschaftler an ein geheimnisvolles „Menstruationsgift" glaubten.

Und doch: Dieselbe Substanz, die angeblich gefährlich war, galt gleichzeitig als magisch. Menstruationsblut wurde für Liebeszauber verwendet. Es sollte Häuser vor Feuer schützen. Hexen fernhalten.

Giftig und magisch zugleich – ein Widerspruch, der sich durch die gesamte Geschichte zieht.

Mond, Natur und weibliche Rhythmen

Lange bevor Hormone entdeckt wurden, beobachteten Menschen etwas anderes: Viele Menstruationszyklen dauern ungefähr so lange wie ein Mondmonat. Deshalb verbanden zahlreiche Kulturen Weiblichkeit, Fruchtbarkeit und den Mond miteinander. Der weibliche Zyklus galt nicht als Störung, sondern als Teil eines größeren natürlichen Kreislaufs.

In manchen Traditionen wurden menstruierende Frauen als besonders kraftvoll angesehen. In anderen galten sie als rituell unrein und wurden von bestimmten religiösen Handlungen ausgeschlossen. Diese Vorstellungen wirken bis heute nach.

Bettruhe und Schonung

Noch vor rund hundert Jahren empfahlen manche Ärzte Frauen, sich während der Menstruation möglichst wenig zu bewegen. Sport galt als schädlich. Arbeiten wurde kritisch gesehen. Teilweise wurde sogar geraten, möglichst viel im Bett zu bleiben.

Manche Ärzte waren überzeugt, dass Frauen während der Menstruation körperlich kaum belastbar seien.

Heute wissen wir: Der weibliche Körper ist während der Menstruation keineswegs grundsätzlich schwach oder krank. Und doch begegnen vielen Frauen noch immer Sätze wie: „Das bildest du dir ein." „Das gehört halt dazu." „Da musst du durch."

Was wir heute wissen

Die moderne Medizin betrachtet die Menstruation weder als Gift noch als Krankheit. Sie ist ein natürlicher Bestandteil des weiblichen Zyklus.

Gleichzeitig gilt: Nicht jede Menstruation ist automatisch gesund. Starke Schmerzen, extreme Blutungen, Erschöpfung oder Zyklusbeschwerden sollten nicht einfach als normal hingenommen werden. Hinter solchen Beschwerden können Endometriose, hormonelle Dysbalancen, Schilddrüsenerkrankungen oder andere gesundheitliche Ursachen stecken.

Die Menstruation ist kein Fehler des Körpers. Sie ist kein Makel. Und sie ist kein Thema, über das Frauen schweigen sollten.

Was das für dich als Yogalehrerin bedeutet

Wenn Frauen in deine Stunde kommen, tragen viele unbewusste Überzeugungen mit sich. Dass ihre Periode ein Makel ist. Dass Schmerzen dazugehören. Dass sie während der Menstruation weniger leisten können.

Als Yogalehrerin hast du die Möglichkeit, das Narrativ zu verschieben – nicht durch große Vorträge, sondern durch kleine Gesten. Die Art, wie du über den Zyklus sprichst. Ob du Schülerinnen erlaubst, in bestimmten Phasen weniger zu tun. Ob du den weiblichen Körper als etwas beschreibst, das Intelligenz hat – und nicht als etwas, das kontrolliert werden muss.

Vielleicht liegt der größte Fortschritt unserer Zeit darin, über den weiblichen Körper genauso selbstverständlich zu sprechen wie über Ernährung oder Bewegung. Nicht als Tabu, nicht als Makel – sondern als das, was er ist: ein zyklisches System mit eigener Logik.

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