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Periodenprodukte: Warum die Wahl mehr ist als eine Hygienefrage

Was wir während der Menstruation an unseren Körper lassen, prägt mehr als wir denken. Eine ruhige Einordnung jenseits von Marketing und Moralisierung.

Von Catrin Boisson·6 Min. Lesezeit
Foto: Unsplash · Symbolbild

Du stehst im Drogeriemarkt vor dem Regal mit den Tampons, liest zum ersten Mal wirklich, was draufsteht – und merkst, dass du es nicht weißt. Nicht, was drin ist. Nicht, woher es kommt. Nicht, was es in deinem Körper macht. Und plötzlich fühlt sich die Routine, die du seit dreißig Jahren wiederholst, fremd an.

Dieser Moment ist kein Zufall. Er taucht häufig dann auf, wenn Frauen ohnehin beginnen, genauer hinzuspüren – durch Yoga, durch Zyklusarbeit, durch eine Lebensphase, in der sich der Körper verändert. Die Periode wird dann nicht mehr nur verwaltet. Sie wird wahrgenommen.

Warum die Frage nach dem Produkt eine Frage nach der Haltung ist

In meiner Praxis erlebe ich oft, dass Frauen zwischen 35 und 50 plötzlich aufmerksamer werden für Dinge, über die sie zwei Jahrzehnte nicht nachgedacht haben. Welche Creme sie ins Gesicht lassen. Welches Öl an die Haut darf. Und ja – welches Produkt in ihren Körper eingeführt wird, an einer der empfindlichsten Schleimhäute überhaupt.

Die Vaginalschleimhaut ist hochresorptiv. Sie nimmt Stoffe schneller und direkter auf als die Haut am Arm. Was über fünf bis sieben Tage im Monat dort liegt, ist also keine Nebensache. Konventionelle Tampons können Rückstände aus Bleichprozessen, synthetische Fasern und Duftstoffe enthalten. Das ist keine Panik, sondern eine sachliche Information – und sie hat in den letzten Jahren zu Recht eine wachsende Debatte ausgelöst.

"Bewusst menstruieren heißt nicht, alles perfekt zu machen. Es heißt, wieder eine Beziehung zu dem aufzubauen, was im eigenen Körper passiert."

Was es heute an Alternativen gibt – und was sie unterscheidet

Die Landschaft hat sich verändert. Wo vor zwanzig Jahren faktisch nur Tampon und Binde standen, gibt es heute eine Bandbreite, die jeder Frau erlaubt, das Passende für ihre Lebensphase zu wählen.

Menstruationstassen aus medizinischem Silikon. Wiederverwendbar, geruchsneutral, oft über Jahre nutzbar. Sie erfordern eine kurze Lernkurve, geben dafür aber ein erstaunlich klares Körpergefühl zurück.

Periodenunterwäsche. Für viele meiner Schülerinnen ein Wendepunkt – besonders in den Wechseljahren, wenn der Zyklus unberechenbar wird und das Vertrauen, einen Tag durchzustehen, wichtig ist.

Bio-Tampons und -Binden aus zertifizierter Baumwolle. Wer beim gewohnten Format bleiben möchte, hat hier eine sanftere Variante ohne Pestizide und Bleichmittel.

Menstruationsschwämme und Discs. Nischen­produkte, aber für manche Frauen die richtige Antwort, gerade wenn das Beckengewebe sensibler wird.

Welches Produkt das richtige ist, hängt von deiner Anatomie, deiner Lebenssituation und deiner Zyklusphase ab. Eine Frau mit starker, gerinnselreicher Blutung in der Perimenopause braucht etwas anderes als eine Frau mit leichter, regelmäßiger Periode Anfang dreißig.

Was Zyklusbewusstsein wirklich verändert

Die eigentliche Verschiebung passiert selten beim Produkt. Sie passiert in der Haltung dahinter. Frauen, die anfangen, ihre Tasse auszuleeren und dabei tatsächlich anschauen, was ihr Körper abgibt, berichten mir oft von einer leisen Erschütterung. Sie hatten ihr eigenes Blut nie wirklich gesehen. Nie wahrgenommen, wie es sich von Tag zu Tag verändert – heller, dunkler, dünner, dichter.

Das ist diagnostisch relevant. Die Beschaffenheit des Menstruationsblutes ist ein Spiegel. Hormonelle Balance, Schilddrüsenfunktion, Eisenhaushalt, Entzündungsgeschehen – vieles zeigt sich hier zuerst, lange bevor Blutwerte auffällig werden. In der Ausbildung zur Feminine Balance Lehrerin ist das einer der Bereiche, in denen Frauen am stärksten reagieren: wenn sie verstehen, dass ihr Zyklus ein vollständiges Informationssystem ist.

Die Frage, die selten gestellt wird

Wir reden viel über Nachhaltigkeit – über Müllberge, über Mikroplastik, über Ressourcen. All das ist wahr und wichtig. Eine Frau verbraucht im Laufe ihres Lebens zwischen 10.000 und 17.000 Einwegprodukte. Das ist eine Zahl, die etwas mit einem macht.

Aber unter dieser ökologischen Frage liegt eine intimere: Was sage ich meinem Körper, indem ich diese Wahl treffe? Behandle ich die Menstruation als etwas, das schnell weg muss, möglichst geruchsneutral, möglichst unsichtbar? Oder als einen monatlich wiederkehrenden Moment, an dem mein Körper etwas Eigenes tut, das Aufmerksamkeit verdient?

In meinen Kursen erlebe ich, dass Frauen sich verändern, wenn sie diese Frage zulassen. Nicht dramatisch. Nicht über Nacht. Aber spürbar. Sie ziehen sich an Tag eins anders zurück. Sie planen Termine bewusster. Sie entdecken, dass die Tage vor und während der Blutung nicht Störfaktor sind, sondern eine eigene Qualität haben – introvertierter, klarer, manchmal auch kreativer als der Rest des Monats.

Was die Forschung gerade aufholt

Lange war Menstruationsforschung ein blinder Fleck. Das ändert sich. Eine aktuelle Untersuchungsreihe an US-amerikanischen und europäischen Universitäten beschäftigt sich derzeit mit Rückständen in Einweg­produkten und ihrer möglichen Wirkung auf das vaginale Mikrobiom. Die Ergebnisse sind noch nicht abgeschlossen, aber sie zeigen eine Richtung: Das Mikrobiom dieser Region ist sensibler und reaktiver, als die Produktindustrie jahrzehntelang angenommen hat.

Parallel wächst die Forschung zu Endometriose, PMDS und perimenopausalen Blutungsmustern – Bereiche, in denen die Wahl des Periodenprodukts durchaus eine Rolle für Komfort und Symptomwahrnehmung spielen kann.

Was bleibt

Bewusstsein bei der Periode beginnt nicht beim perfekten Produkt. Es beginnt mit einer Frage, die du dir vielleicht lange nicht gestellt hast: Was lasse ich an meinen Körper – und warum eigentlich genau das?

Du musst nicht alles auf einmal ändern. Eine Frau, die mit fünfzig zum ersten Mal eine Tasse ausprobiert, ist nicht spät dran. Eine, die bei der Bio-Binde bleibt, ist nicht weniger bewusst. Es geht nicht um Rangordnung. Es geht darum, dass du wieder die Person bist, die entscheidet – und nicht das Regal, an dem du seit dreißig Jahren vorbeigehst.

Das

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